AKTIV und VITAL: KW 35/20

Mit Briefmarken helfen

Auch wenn die Welt immer digitaler wird, verschwinden Briefmarken doch nicht ganz. Vor allem wir „Älteren“ bekommen und verschicken immer noch Papierpost. Und diese Post kann anderen helfen, wie Sie aus dem folgenden Bericht erfahren können.

Keine Briefmarke in den Papierkorb – das ist die Philosophie der Briefmarkenstelle Bethel. Das Konzept bewährt sich immerhin seit über 125 Jahren. Dank der Briefmarkenspenden konnten viele Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderungen geschaffen werden.

Bethel kann alle Briefmarken gut gebrauchen: deutsche und ausländische, gestempelte und ungestempelte Marken, ganz gleich, ob auf Postkarten oder Briefumschlägen, von der Tagespost bis hin zu Preisausschreiben.  Meist werden die bunten Postwertzeichen zu Hause oder im Büro aus der täglichen Post ausgeschnitten. Zu beachten ist, dass um jede Marke ein Rand von einem Zentimeter bleibt, damit die empfindliche Zähnung unverletzt bleibt. Auch Briefumschläge oder Karten mit Marken sind in der Briefmarkenstelle willkommen.

 

Mechthild Nickel hat den geübten Blick

„Italien, Frankreich, Deutschland“, sagt Mechthild Nickel und holt blitzschnell eine Briefmarke nach der anderen aus einem großen Album. In der Briefmarkenstelle Bethel sortiert sie die gespendeten Sammlungen neu.

Konrad Adenauer und John F. Kennedy – Mechthild Nickel kennt sie alle. Im Laufe der Jahre ist sie so manchem politischen Kopf begegnet und hat viel von der Welt gesehen. „Diese Briefmarke stammt aus Tobago, diese hier aus Australien“, erklärt sie. Ein kurzer prüfender Blick genügt, um die Briefmarken im richtigen Fach einzuordnen. Mechthild Nickel fühlt sich wohl an ihrem Arbeitsplatz.

In der Briefmarkenstelle Bethel werden gespendete Postwertzeichen ausgeschnitten, sortiert und verpackt. Neben Mechthild Nickel stehen drei Kisten voller Briefmarkenalben. Das Arbeitspensum für einen Tag. Kein Problem für die erfahrene Beschäftigte, denn Mechthild Nickel hat geübte Augen. Immerhin arbeitet sie seit über 15 Jahren in der Briefmarkenstelle.

Die gelernte Milchwirtschaftliche Assistentin hatte mit 21 Jahren einen schweren Unfall. Aufgrund der Kopfverletzungen konnte sie ihren Beruf nicht mehr ausüben. Sie ist froh, in der Briefmarkenstelle arbeiten zu können.

 

Kein Wochenende ohne Briefmarken aus Bethel

Angefangen hat alles mit seinem Beruf als Zoll-beamter, in dem er jede Menge Post erhielt. Die ganzen Briefmarken fand er zu schade zum Wegwerfen. Daraus hat sich eine richtige Sammelleidenschaft entwickelt. Seit mehr als fünf Jahrzehnten sammelt Eberhard Lewinski Briefmarken.

Auch nach vielen Jahren systematischen Sammelns ist die Faszination ungebrochen. Wenn Eberhard Lewinski eines seiner 60 dicken, stabil gebunden Alben öffnet und seine Schätze vorzeigt, leuchten seine Augen, und die Geschichten sprudeln aus ihm heraus. Seit 1958 ist er Kunde der Briefmarkenstelle in Bethel. „Damals war die noch hinter dem Pförtnerhäuschen“, erinnert er sich. „Weil wir früher auch samstags arbeiteten, musste ich mich auf dem Heimweg immer richtig beeilen – die Briefmarkenstelle schloss um zwölf Uhr!“ Zu spät zu kommen wäre fatal gewesen: „Ein Wochenende ohne Briefmarken? Nee, dann war nix los“, blickt er mit einem Schmunzeln auf die Anfänge seiner Briefmarkenpassion zurück. „Wenn wir uns getroffen haben, mussten Marken auf den Tisch!“

Dass durch seine Einkäufe in der Briefmarkenstelle Arbeitsmöglichkeiten für Menschen mit Behinderung gesichert werden, freut den Senior immer noch: „Für mich ist es eine Selbstverständlichkeit, dass man einander hilft.“ „Bis heute ist das Briefmarkensammeln meine Hauptbeschäftigung.“

Quelle: v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel

Wenn Sie Briefmarken gesammelt haben und diese nach Bethel geben möchten, wenden Sie sich an uns, Ihren Seniorenbeirat.