AKTIV und VITAL: KW 37/20 – Das Nonnenloch

Wandert man von Ramsen zum Göllheimer Häuschen, so findet man abseits vom Weg, versteckt im Gehölz eine Öffnung im Berge. Sie sieht aus wie der Eingang zu einer Höhle. In früherer Zeit, so erzählt man sich, sei dies der Eingang zu einem unterirdischen Gang gewesen, der zum Kloster Rosenthal hinführte. Eine andere Geschichte stellt die Entstehung dieser Höhle ganz anders dar.

Im Bauernkrieg wurde das Kloster Rosenthal von den Bauernscharen überfallen. Als diese herannahten, nahm die Äbtissin alles Gold und Geld und wertvolle Dinge, eilte in den Wald ein gutes Stück weg vom Kloster und vergrub den Schatz.

Als nun die Bauern in das Kloster eindrangen um es auszurauben, fanden sie nichts von alledem was sie in dem reichen Kloster vermutet hatten, nämlich Gold und andere wertvolle Sachen. Darauf ließen sie ihre Wut an den armen unschuldigen Klosterfrauen aus, peinigten sie und verwüsteten alles was vor sie kam. Besonders die Äbtissin musste unter ihren Grausamkeiten leiden. Da sie in hohem Alter stand, verkraftete sie das alles nicht und ihr Geist verwirrte sich.

Als die wütenden Bauern endlich abgezogen waren, wollten die Nonnen ihre versteckten Schätze wieder holen. Die Äbtissin aber fand den Ort nicht mehr, wo sie das Gold vergraben hatte. Alles Suchen half nichts, der Schatz blieb verschwunden. Schon lange war das Kloster aufgelöst und noch immer ging die Geschichte von dem verschwundenen Schatz bei den Leuten um. Viele hatten schon nach ihm gesucht, doch stets vergebens.

Da zogen wieder einmal drei junge Burschen von Ramsen aus um das Gold doch endlich zu finden.

Tage- und nächtelang suchten sie den Wald ab, gruben unzählige Löcher in den Berg, doch stets stießen sie nur auf Sand und Steine.

In einer mondhellen Nacht aber, sie hatten besonders tief gegraben, gelangten sie in einen Hohlraum, darinnen standen drei hölzerne Truhen, alle drei noch gut erhalten. Sie öffneten sie und vor ihren Augen lagen Gold, Silber und viele wertvolle Dinge, so wie sie es von den Alten gehört hatten.

Nun war es aber so, dass man bei der Schatzsuche kein Wort reden durfte, bisher hatten sich die drei auch daran gehalten. Als sie aber nun vor dem ungeheuren Reichtum standen, da entfuhr es dem jüngsten der Burschen: „Jetzt hemmern awwer!“

Da zuckte ein gleißendes Licht auf und wie vom Blitz getroffen fielen alle zu Boden. Als sie nach Stunden wieder zu sich kamen, da waren sie wieder so arm wie zuvor. Die Goldtruhen waren verschwunden, nur die leere Höhle war zu sehen.

Von nun an blieben alle Versuche, den Schatz doch noch zu finden vergebens. Er war und blieb verschwunden bis auf den heutigen Tag. Nur das Loch, das die drei Burschen gegraben hatten, ist noch zu sehen und heißt seitdem zur Erinnerung an den verschwundenen Klosterschatz das „Nonnenloch“.

Quelle: Unsere Heimat von Georg Spieß

 Zitat

 Das Leben mit seinen verschiedenen Epochen ist eine Schatzkammer. Wir werden reich in jedem Gewölbe beschenkt; wie reich, das erkennen wir erst bei Eintritt in das nächste Gewölbe.

Christian Friedrich Hebbel (1813-1863)