AKTIV & VITAL KW 13/20

In lockeren Folgen beleuchten wir mit Anekdoten und historischen Berichten ein bisschen unsere regionale Geschichte.

Die erste Geschichte erzählt von Johann Denzer – dem „Schinnerhannes“ vom Stumpfwald

Der Schinnerhannes hieß eigentlich Johann Martin und wurde 1775 als uneheliches Kind in Pirmasens geboren. Er nannte sich aber Denzer nach seinem Stiefvater, einem Schumacher. Er musste in einem Linienregiment des Herzogs von Zweibrücken Dienst tun, ging anschließend als Marketender ins preußische Heer und kam dann als Knecht ins Elsass. Dort heiratete er, aber es hielt ihn nicht lange bei der Familie und er zog als Landstreicher durch die Lande. Mit Pferdediebstählen und Betrügereien schlug er sich durch und da er damit Erfolg hatte, fühlte er sich als Räuberhauptmann berufen. Sein Quartier schlug er in den dichten Wäldern des Stumpfwaldes auf. Dort soll er auch eine Räuberhöhle im Höllental gehabt haben.

Es blieb nicht bei den Pferdediebstählen. Er drohte den Bauern und Gemeinden an, Brände zu legen, wenn sie nicht seinen Forderungen, unter anderem nach Geld, nachkamen. So drohte er der Gemeinde Wattenheim das ganze Dorf anzuzünden und als Warnung zündete er einige Scheunen an, dies tat er auch in anderen Gemeinden, so auch in Alsenborn, um an sein Ziel zu kommen.

Er wurde von den Behörden steckbrieflich gesucht und auch einige Male gefangen genommen, aber er konnte immer wieder fliehen, so sagten ihm die Leute bald übermenschliche Fähigkeiten nach. Die schlimmsten Verbrechen beging er aber, als er Jungen raubte und erst gegen ein hohes Lösegeld wieder frei ließ. Er entführte einen Jungen vom Pfrimmerhof, als dieser auf dem Nachhauseweg war und forderte ein Lösegeld von 200 Münzen in Gold und 50 Münzen in Silber, für die damalige Zeit ein Vermögen. Das Geld sollte am Abzweig von der „Hohen Straße“ nach Stauf abgelegt werden. Um die Angst der Eltern noch zu schüren, zog er tagelang mit dem Jungen durch den Stumpfwald. Da der Bauer die geforderte Summe nicht bezahlen konnte, verhandelte er mit Denzer, der sich dann mit 10 Münzen zufrieden gab. Nach der Geldzahlung ließ er den Jungen daraufhin frei.

Einen Fehler machte er, als er, ein paar Tage später, den Sohn des Polizeichefs von Sembach entführte. Dieser verfolgte Denzer mit einigen Männern, nahm ihn fest und brachte ihn ins Gefängnis. Von dem Geschworenengericht in Mainz wurde er im Jahr 1802 zum Tode verurteilt und auch kurz darauf enthauptet. Bei der Verhandlung saßen fünf der Jungen, die er entführt hatte im Gerichtsaal.

Lange Zeit lebte er unter dem Namen „Bubendieb“ im Volksmund weiter. Das viele Geld, das er erpresst hatte, hatte er bei seiner Verhaftung nicht bei sich und so ging die „Mär“, dass es im Stumpfwald vergraben ist.