Aktiv & Vital KW 18/21 – Im Bauernkrieg anno 1525

Der Bauernkrieg hinterließ auch in unserer Heimat seine Spuren. So liest man in alten Schriften, dass auch das Kloster Ramsen die Wut der Bauern, die sich gegen Unterdrückung und Gewalt auflehnten, wie die meisten Herrschaftsbesitze, zu spüren bekam. Wohl war das Kloster nicht mehr in allerbestem Zustand, der Klosterschaffner, der die Güter für das Bistum Worms verwaltete, aber weiß von Plünderungen und Zerstörungen zu berichten. Diese hielten sich jedoch in Grenzen, da die Bauernhaufen bald weiterzogen und sich nach Stauf wendeten.

Die Burg Stauf und das Kloster Rosenthal mussten weit Schlimmeres über sich ergehen lassen. So erlag die Burg der Brandfackel der Aufrührer. Die entfesselten Haufen schwärmten im Eistal umher. Die beiden herrschaftlichen Kellner ritten an einem Sonntag im Mai aus der Veste um zu erkunden, wohin sich die Scharen wenden würden, doch sie verfehlten dieselben und kaum hatten sie die Burg eine Stunde verlassen, so stürmten jene auf anderen Wegen die Höhe hinan und drangen in die Burg ein, in der sie jedoch nur vier Personen, den Turmwächter, den Pförtner und zwei Mägde antrafen, denen sie zwar kein Leid zufügten, aber nachdem sie alles ausgeplündert hatten, sämtliche Gebäude in Rauch aufgehen ließen, sodass mehr als 1500 Malter Früchte verdarben und alle anderen Vorräte vernichtet wurden.

Jene Banden zogen, nachdem sie ihre Wut ausgelassen hatten, nach dem nahen Kloster Rosenthal und verübten dort gleichfalls viele Rohheiten. In einem, an die Gräfin Elisabeth von Saarbrücken gerichteten Brief, schildert die Äbtissin Barbara Göller von Ravenstein die Vorfälle.

Sie beschreibt wie die raubgierigen Horden gegen das Kloster stürmten, eine der Ringmauern überstiegen, die Türen einschlugen, die Keller öffneten, die Speicher ausräumten, die Glocken vom Turm warfen, kurz alles verwüsteten und zerstörten. Den größten Jammer bereiteten sich die Nonnen mit den Kindern, welche sie in ihrer Obhut hatten. In der Verwirrung des Überfalls hatten sie die Kinder in Kisten gesperrt und in die Erde gestellt um sie vor der Wut der Bauern zu verbergen. Diese fanden jedoch die Kinder und schrien laut über die unerhörte Grausamkeit der Nonnen, als hätten sie ihre Pfleglinge lebendig begraben und verübten nunmehr umso rücksichtsloser jeden Mutwillen und jede Rohheit im Konvent. Auch die unschuldigen Kinder misshandelten und vertrieben sie, sodass manche ohne Kleider und verletzt wieder ins Kloster zurückgebracht wurden.

Das Schmerzlichste für die Äbtissin aber war, dass selbst Untertanen der eigenen Herrschaft Stauf, deren Bewohner so manche Wohltat dem Kloster zu verdanken hatten, sich unter den Plünderern befanden. Der Brandschatzung und der völligen Zerstörung entging das Kloster nur, weil nassauisches Kriegsvolk nahte und die Aufrührer daher schleunigst weiterzogen.

Quelle: „Unsere Heimat“ von Georg Spieß