Aktiv & Vital KW 29/21

Unser Tipp

Für die Kinder hat der Lesesommer angefangen, deshalb möchten wir auch Ihnen einige Leseempfehlungen für die Sommerferien geben. Heute haben wir zwei Empfehlungen von Frau Heike Rogozinski, der Leiterin der Gemeindebücherei Kerzenheim.

Das Novembermädchen von Katrin Tempel

Lina Morgenstern, Tochter aus gutem Hause, hegt schon früh den Wunsch, benachteiligte Menschen zu unterstützen. Bereits mit 18 gründet sie den „Pfennigverein“, um auch ärmeren Kindern den Besitz von Stift und Papier zu ermöglichen. Als sie später auf die vielen hungernden Menschen trifft und 1866 der Preuß. Österreichische Krieg bevorsteht, stellt sie die ersten Suppenküchen Berlins auf die Beine. Aus großen Mengen Nahrungsmitteln soll eine gesunde kostengünstige Mahlzeit entstehen. Lina merkt aber sehr schnell, dass nicht jeder ihr Engagement zu schätzen weiß (besonders nicht die Männer). Aber in  Königin Auguste findet sie eine Verbündete.

So oft hat sie sich ausgemalt, welchen Weg die Welt wohl machen würde, wenn Frauen die Macht in ihren Händen hielten.

Deshalb setzte sie sich besonders für die Frauenrechte und die Gründung der ersten Kinderschutzvereine, Kindergärten und Krankenschulen ein, um vorhandene Missstände abzubauen.

Besonders hervorzuheben ist aber auch ihr Mann Theodor, der als Hausmann praktisch 5 Kinder alleine großzieht, was zu dieser Zeit revolutionär war.

Dieses Buch sollte eigentlich unbedingt in den Schulunterricht aufgenommen werden, damit auch Jugendliche sehen, wozu Menschen fähig sind, die nicht oberflächlich durchs Leben gehen und sich auch gegen starke Mauern für notleidende Menschen einsetzen.

Mich hat dieser historische Roman, der super recherchiert ist, über das Leben und Wirken von Lina Morgenstern total fasziniert. Es war mir eine Freude, diese besondere Frau kennenzulernen. Dieses Buch beschreibt für mich nicht nur eine starke Persönlichkeit, sondern bestätigt, wie wichtig die Gleichberechtigung von Mann und Frau in unserer Gesellschaft ist. Diese Geschichte entlässt einen nicht so einfach, auch wenn das letzte Wort schon längst gelesen ist.

Die verlorenen Blumen der Alice Hart von Holly Ringland

Die kleine Alice Hart lebt mit ihren Eltern in einem kleinen abgelegenen Haus an der Nordküste Australiens, wo sie im bezaubernden Garten ihrer Mutter Schutz vor dem gewalttätigen Vater sucht. Alice ist gerade 9 Jahre alt, als ihr ein Feuer den gewalttätigen Vater, ihre Mutter und das ungeborene Brüderchen raubt. Sie kommt zur unbekannten Großmutter June, die eine Blumenfarm besitzt, auf der Frauen mit schlimmen Schicksalsschlägen Zuflucht, Arbeit und ein Zuhause finden, wie damals ihre Mutter. Hier lernt Alice die Sprache der Blumen zu nutzen, um Dinge zu sagen, die sie nicht in Worte fassen kann. Aber auch die Großmutter kann nicht alles mit den Blumen ausdrücken und irgendwann beginnt Alice die Antworten zu suchen.

Und beim Lesen merkt man wieder, dass sich viele Verhaltensmuster einer Familie im Leben oft wiederholen.

Das Außergewöhnliche an diesem Buch ist, jedem Kapitel ist eine Blume vorangestellt, mit schönen schwarz-weiß Zeichnungen, ihrer Bedeutung und Kurzbeschreibung. Das macht das Buch zu etwas Besonderem. Ich habe anschließend alle Blumen gegoogelt. Fast alle wachsen wild nur in Australien, worauf ich am liebsten die Koffer gepackt hätte.

Ein außergewöhnliches Buch, mit unheimlich starken Charakteren, die einen so schnell nicht loslassen.

Ein bildgewaltiger Roman über Familie, Freundschaft und über die zerstörerische Kraft der Liebe, der Heilung und des Neuanfangs und natürlich die allgegenwärtige Stimme der wunderschönen Blumen Australiens. Ich kann es kaum in Worte fassen, wie mich dieses Buch berührt hat. Emotionen durch das Ungesagte, dazu die wilde und gegensätzliche Landschaft Australiens haben mich 500 Seiten lang gefesselt!

Ein unbedingtes Muss für Frauen jeden Alters!

Diese und noch jede Menge interessanter Bücher warten auf Sie in der Gemeindebücherei Kerzenheim. Kommen Sie einfach mal vorbei!