Aktiv & Vital KW 40/21- Unsere Heimat: das Kloster in Ramsen

Unterschrieben im kalten Wasser der Eis

Nach der Ende des 15. Jahrhunderts erfolgten Auflösung des von Berthold von Winzingen im Jahre 1145 gegründeten Klosters Ramsen auf dem Klosterberg geheißenen Hügel, kam es zwischen dem Bischof vom Worms, der das Erbe des Klosters angetreten hatte und den Herren der Herrschaft Stauf zu langwährenden Besitz- und Grenzstreitigkeiten.

Immer wieder wurden die abgeschlossenen Verträge und Abkommen gebrochen, neue mussten ausgehandelt werden um den Frieden zu besiegeln. Beide Parteien wurden immer misstrauischer gegeneinander. Als nun wieder einmal ein Abkommen ausgehandelt war, sollte der Vertrag unterschrieben werden. Die beiden Kontrahenten konnten sich aber über den Ort der Unterschriftsleistung nicht einig werden. Keiner wollte dabei auf den Grund und Boden des anderen. Da war guter Rat teuer.

Tage und Wochen gingen ins Land, bis endlich ein Platz gefunden war, der beiden Herrschaften genehm war. Da gab es eine Stelle an dem Bach, der die Eis genannt wird. Da bildete das Wasser die Grenze, hier war man ganz sicher, dass keiner des anderen Gebiet  betreten würde, wenn er die Urkunde unterschrieb.

Man stellte einen schweren Tisch in die Mitte des an diesem Tag nur wenig Wasser führenden Baches und im kalten Wasser der Eis stehend unterzeichneten zwei Bevollmächtigte den so mühsam ausgehandelten Vertrag. Nach ihnen trat ein Zeuge nach dem anderen ins Wasser und bestätigte durch seine Unterschrift, dass alles seine Ordnung hatte.

Ob des eisigen Wassers ging der Vertragsabschluss ziemlich rasch vonstatten. Wie die Überlieferung berichtet, hat dieser Vertrag am längsten gehalten.

Quelle: Unsere Heimat von Georg Spieß

 

Kloster Ramsen oder Ramosa

Das Nonnenkloster Ramsen wurde 1146 als Kloster Ramosa ad Ramesum gegründet und war ursprünglich eine Schenkung des Berthold von Winzingen an das Kloster St. Georgen im Schwarzwald. Durch die weite Entfernung war das Kloster aber für die dortigen Mönche unrentabel, so dass es 1174 an den Bischof von Worms übergeben wurde. Ab 1267 gehörte das Kloster dem Zisterzienserorden und war zeitweise dem Kloster Schönau unterstellt. Wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage wurde es 1418 aufgelöst. Allerdings bestand das Kloster noch einmal von 1477 bis 1485 als Männerkloster. Der große Grundbesitz gehörte zum Bistum Worms. Aus diesem Grund wollte Bischoff Reinhard von Rüppurr das Kloster als seinen Alterssitz nutzen. Dies wurde jedoch durch die Plünderungen im Pfälzischen Bauernkrieg verhindert. Im Jahre 1807 wurden die Klostergebäude verkauft und bis auf das ehemalige Priorat, das als Forstamt genutzt wurde, später abgetragen.