Aktiv & Vital KW 42/21 – Gerichtsbericht Teil 1

In dieser Ausgabe veröffentlichen wir den 1. Teil eines Gerichtsberichtes, der uns von Herrn Hermann Schäfer zur Verfügung gestellt wurde und ein Verbrechen aus Eisenberg beschreibt.

Ein Traum, durch welchen die Leiche eines Ermordeten aufgefunden wurde.

Verhandlung vor dem Assisengericht (Schwurgericht) der Pfalz.

Sitzung vom 4. Dezember 1839

 

Die heutige Sache ist eine von denen, die in den Annalen der Kriminaljustiz unseres Landes zu den Seltenheiten gehören. Wohl ereignet sich bisweilen der traurige Fall, dass ein Menschenleben das Opfer aufgereizter Leidenschaft wird; allein hier, wo ein braver wohlgesitteter Jüngling, die Stütze seiner armen betagten Mutter, durch kalte Grausamkeit fallen musste, weil es einem Raubgierigen nach seinem sauer verdienten Taglohn gelüstete, kann man nur mit Schmerz auf die Stufe der Verworfenheit blicken, auf welche ein menschliches Wesen herabzusinken fähig ist.

Der Angeklagte, welcher als Raubmörder vor die Assisen (Schwurgericht) verwiesen wurde, heißt Johann Scheifling, ist 40 Jahre alt, Taglöhner, geboren und wohnhaft zu Eisenberg; mit seiner Verteidigung war Herr Advokat Petri beauftragt.

Die näheren Tatsachen, wie sie aus den öffentlichen Verhandlungen sich ergaben, sind folgende: Philipp Ludwig Zepp von Eisenberg ernährte in seinem achtzehnten  Jahre schon seine Mutter von seinem kärglichen Taglohn, den er als Hammerschmiedsjunge sich auf dem v. Gienanth´schen Eisenwerk verdiente, weshalb er allgemein geachtet war. Mit ihm arbeitete im Monat August 1839 der Angeklagte Scheifling. Dieser stand in der Gemeinde seit langer Zeit in dem schlechtesten Ruf. Er wurde, nach vorliegenden Urteilen, schon zweimal wegen Diebstahl zu bedeutenden Gefängnisstrafen verurteilt, und dunkle Gerüchte bezeichnen ihn als einen Menschen, dessen Hände nicht rein von Mord sind.

Es war samstags den 17. August 1839, als Scheifling und Zepp miteinander aus dem Felde nach dem Eisenwerk zurückkehrten, und sich in die Branntweinschenke des Hammerschmiedes Körber begaben. Beide hatten an jenem Tage ihren Lohn erhalten; der des Zepp betrug 9 fl. (Gulden) 9 kr. (Kreuzer) und bestand in 3 Kronenthalern und etwas Münze.

Als beide sich wieder entfernen wollten, um in den Wald zu gehen, verlangte Zepp von den Wirtsleuten eine Stülpkappe, worauf Scheifling antwortete: „Es ist nicht kalt, Du brauchst keine Kappe.“

Sie gingen nun wirklich zusammen in den Wald, Zepp kehrte aber nicht mehr heim, und alle Nachforschungen, welche die besorgte, nichts Gutes ahnende Mutter anstellte, blieben fruchtlos. Sobald das Verschwinden des jungen Mannes in der Gemeinde ruchbar wurde, bildete sich sogleich allgemein der Verdacht, dass wohl Scheifling denselben ermordet und beraubt haben möge. Verschiedene Umstände trugen auch dazu bei, diesen Verdacht aufs Höchste zu steigern.

Scheifling begab sich nämlich am Morgen nach der Tat zu dem Bäcker Anspach in Eisenberg, dem er Geld für Brod schuldete, und zahlte diesem 6 fl. 48 kr.; zwei Stunden später zahlte er auch dem Fuhrmann Kraus 2 fl. auf schuldige Hausmiete.