Alte Bräuche: Gesindewechsel in der Pfalz

Bis ins späte Mittelalter galt Weihnachten als Jahresanfang und bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts war dies auch der Termin für den Gesindewechsel in der Pfalz und sicher auch in anderen Regionen. Am 26. Dezember, dem Stephanstag oder „Steffelstag“ wechselten die Mägde und Knechte ihre Stellungen.

Es gab die verschiedensten Bräuche in der Pfalz. So wurde beim „Wandern“ der Mägde das Fuhrwerk, das die neue Magd abholte und zu ihrer neuen Stelle brachte, von Freundinnen mit Bändern und Blumen geschmückt. Die wandernde Magd hatte „Bündelwein“ dabei, den sie an ihre Freundinnen und den Fuhrmann ausschenkte.

Der Begriff Bündel kommt daher, dass die Mägde ihre ganzen Habseligkeiten in einem großen Tuch zusammenschnürten, also ein „Bündel schnürten“, das sie mit auf den nächsten Hof nahmen. Für die Helferinnen und Helfer, die Mägde und Knechte begleiteten gab es auf den neuen Höfen Essen und Trinken und es wurde bis in die Morgenstunden gefeiert.

Da an diesem Tag kreuzten sich natürlich in manchen Gegenden die Wege der Mägde und Knechte. Natürlich in einer Gaststätte, in der dann auf den Abschied und den Einstand getrunken wurde. In der „Alten Welt“ hielt sich dieser Brauch am längsten, aber mittlerweile ist er ganz in Vergessenheit geraten, was auf die positiven radikalen Änderungen im gesellschaftlichen und beruflichen Leben zurückzuführen ist.

Vielen Dank an den Seniorenbeirat der Verbandsgemeinde Eisenberg, der uns die alten Traditionen immer wieder vor Augen führt. 

Autor: Marie-Luise Selzer

Projektkoordination - Digitale Dörfer; Chefredakteur www.eisenberg-aktuell.de