Leseempfehlung der Gemeindebücherei Kerzenheim – Herzfaden von Thomas Hettche

Heute möchte ich Ihnen ein etwas außergewöhnliches Buch vorstellen: Thomas Hettche erzählt in seinem Roman „Herzfaden“ die Geschichte einer der wichtigsten deutschsprachigen Kulturinstitution der Nachkriegszeit, nämlich die der Augsburger Puppenkiste.

Welches Kind kennt sie nicht? Ich bin – wie viele Generationen vor und nach mir – mit den Geschichten und späteren Verfilmungen der Augsburger Puppenkiste aufgewachsen. Schon allein deshalb musste ich dieses Buch unbedingt lesen.
Zum Inhalt: Ein zwölfjähriges Mädchen gerät nach einer Vorstellung der Augsburger Puppenkiste durch eine verborgene Tür auf einen märchenhaften Dachboden, auf dem viele Freunde warten: Prinzessin Li Si, Kater Mikesch, Lukas, der Lokomotivführer und viele andere der bekannten Figuren der Augsburger Puppenkiste. Aber es trifft dort vor allem auch auf die Frau, die all diese Marionetten geschnitzt hat und die ihm nun ihre Geschichte erzählt:
Es ist die Geschichte eines einmaligen Theaters und der Familie, die es gegründet und berühmt gemacht hat. Sie beginnt im 2. Weltkrieg, als Walter Oehmichen, ein Schauspieler des Augsburger Stadttheaters, in der Gefangenschaft einen Puppenschnitzer kennenlernt und für die eigene Familie ein Marionettentheater baut. In der Bombennacht 1944 verbrennt es zu Schutt und Asche.

„Herzfaden“ erzählt von der Kraft der Fantasie in dieser dunklen Zeit und von der Wiedergeburt dieses Theaters. Nach dem Krieg gibt Walters Tochter Hatü in der Augsburger Puppenkiste Waisenkindern wie dem Urmel und kleinen Helden Kalle Wirsch ein Gesicht. Generationen von Kindern sind mit ihren Marionetten aufgewachsen. Die Augsburger Puppenkiste gehört zur DNA dieses Landes, seit in der ersten TV-Serie im westdeutschen Fernsehen erstmals Jim Knopf auf den Bildschirmen erschien.

Zum Titel des Romans: Ein „Herzfaden“ ist der wichtigste Faden einer Marionette. Nicht sie wird mit ihm geführt, sondern mit ihm führt sie uns. Der Herzfaden einer Marionette macht uns glauben, sie sei lebendig, denn er ist am Herzen der Zuschauer festgemacht, so empfand es Walter Oehmichen.
Fazit: Ein wundervolles Buch über die Geschichte der Augsburger Puppenkiste, das Kindheitserinnerungen weckt. Interessant, voller historischer und biografischer Fakten und spannend erzählt, nimmt der Roman alle „Junggebliebenen“ mit auf eine märchenhafte Reise!
Es ist eine grandios vergnügliche Wiedersehensfeier mit der eigenen Kindheit!

Da die Gemeindebücherei vorerst noch geschlossen bleibt, bieten wir Ihnen auch weiterhin unseren Bring- und Holdienst an! Anruf genügt!

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Ihre von Heike Rogozinski

Autor: Marie-Luise Selzer

Projektkoordination - Digitale Dörfer; Chefredakteur www.eisenberg-aktuell.de