Fotokamera, Fotografin, Frau, Journalistin

Leseempfehlung der Gemeindebücherei Kerzenheim – Lebenssekunden von Katharina Fuchs

Lebenssekunden von Katharina Fuchs

Im vergangenen Sommer hatte ich Ihnen schon die beiden wunderbaren Bücher: „Eine Handvoll Leben“ und „Neuleben“ von Katharina Fuchs vorgestellt. In diesen Romanen verarbeitete sie ihre eigene Familiengeschichte. Diese beiden Bücher hatten mich schon total begeistert. Mit ihrem neuen Werk: „Lebenssekunden“ hat sich Katharina Fuchs wieder selbst übertroffen. Wie schon in ihrem ersten Roman gelingt es der Autorin zwei Frauenschicksale und Zeitgeschichte auf sehr fesselnde und Weise miteinander zu verknüpfen: Angelika und Christine sind zwei junge, sympathische, mutige und starke Protagonistinnen, mit denen ich auf Anhieb mitfühlen und mitfiebern konnte: Angelika Stein aus Kassel, geht als erste deutsche Fotojournalistin in die Geschichte ein. Joachim Hellmann, ein erst kürzlich aus der DDR geflüchteter Fotograf, erkennt ihr Talent und ihre große Leidenschaft für die Fotografie. Er ebnet ihr den Weg in der Männerdomäne der Fotografie. Die unangepasste Angelika muss viele Hürden nehmen und ihr Traumberuf wird zum regelrechten Spießrutenlauf. Aber sie läßt sich nicht unterkriegen und boxt sich regelrecht durch das Leben. In Angelikas Part erhalten wir interessante Einblicke in die Fotografie und den Foto-Journalismus.

Zitat: „Jeder Moment ist Ewigkeit“ – ist dabei ein wunderbares Motto. Denn Fotos halten Momente und Lebenssekunden für die Ewigkeit fest und können sogar eine richtige Geschichte erzählen!

Zur gleichen Zeit macht sich Christine Magold in der DDR als Kunstturnerin einen Namen. Ihr Leben ist dagegen von eiserner Disziplin und fast schon unmenschlicher harter Arbeit geprägt, die sie an ihre körperlichen Grenzen bringen. Fesselnd beschreibt die Autorin die unendlichen, harten Trainingsstunden in denen sie im Elite-Kader auf die Olympiade getrimmt wird. Ihr Alltag gleicht dabei einer nicht enden wollenden Tortur aus Hunger, brutalen Trainingsmethoden und Schmerzen…

Obwohl die beiden Mädchen in unterschiedlichen Welten aufwachsen und sie beim Bau der Mauer aufeinandertreffen, haben Sie doch einige Gemeinsamkeiten: Sie haben Träume und Ziele, doch die Umstände machen es Ihnen nicht einfach.

Ich bin wieder restlos begeistert von der lebendigen, einfühlsamen, bildhaften und atmosphärischen Erzählweise der Autorin.

Auch der Titel ist wunderbar eingefangen: „Lebenssekunden“ – das sind die Sekunden, die Angelika mit Ihrer Kamera einfängt – der perfekte Moment!!!

Aber auch der Zeitpunkt in Christines Leben, der sie immer wieder zweifeln lässt und sich immer öfters fragt: Wann wird aus irgendwann – jetzt?

Natürlich kommt auch die erste Liebe in diesem Buch vor, spielt hier aber keine übergeordnete Rolle. Katharina Fuchs legt den Focus auf die politischen Entwicklungen, die ein wichtiges Stück deutsche Zeitgeschichte darstellen und schafft somit einen tiefgründigen Roman, der aber gleichzeitig auch unterhält.

Dieser Roman ging an vielen Stellen unter die Haut und wenn am Ende Willy Brandt zitiert wird, als er sich in einer eindringlichen Rede 1961 an die Bürger Ost-Berlins wendet und erinnert: „Noch niemals konnten die Menschen auf die Dauer in Sklaverei gehalten werden“ stellt sich Gänsehaut ein, da wir heute wissen, wie lange es dauerte, bis die Grenzen wieder geöffnet wurden.

„Lebenssekunden“ ist wie ein Blick durch ein Kaleidoskop, denn die Geschichte zeigt die unterschiedlich laufende Entwicklung zweier Frauenbiografien, die am Ende aufeinander zulaufen. Wunderbar und fesselnd erzählt vor dem Hintergrund deutscher Geschichte zwischen den Jahren 1956 und 1961.

Meine absolute Empfehlung für diese Woche!!!

Für die bevorstehenden Osterfeiertage wünsche ich Ihnen alles Gute!

Falls es mit dem schönen Wetter und dem Osterspaziergang nicht so klappt, empfehle ich Ihnen ein gutes Buch zur Hand zu nehmen. Lesen lenkt ab und entführt den Kopf und somit die Gedanken in eine andere Welt.

Da die Gemeindebücherei Kerzenheim vorerst noch geschlossen bleibt können Sie mich gerne jederzeit kontaktieren:

Tel. Nr.: 3393
E-Mail: fh.rogozinski@web.de

Leseempfehlung  von Heike Rogozinski

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